Die Binnendüne in Sandhausen
Sandrasen

S T E C H I M M E N

A C U L E A T A

Als Stechimmen bezeichnet man eine Unterordnung der Hautflügler, die in drei Überfamilien gegliedert ist:
Chrysidoidea (unter anderem Goldwespen), Vespoidea (verschiedene Wespen und Ameisen), sowie Apoidea
(Bienen und Grabwespen).
Allen gemeinsam ist der Wehrstachel. Man schätzt, dass es weltweit etwa 50.000 Arten gibt.


Insbesondere Wildbienen spielen eine nicht unerhebliche Rolle als Bestäuber verschiedenster Pflanzen.
Höhere Blütenpflanzen und blütenbesuchende Insekten haben sich gewissermassen parallel und in
enger Anpassung aneinander entwickelt. Ohne höhere Pflanzen wiederum hätten sich Säugetiere in ihrer
heutigen Vielfalt kaum entwickeln können

Viele solitär lebende Bienen sind Erdbewohner oder benötigen für die Entwicklung
vorhandene Hohlräume, zum Beispiel in Altholz. Einige Arten sind auf die markhaltigen
Stängel bestimmter Pflanzen angewiesen. Hinzu kommt, dass manche Bienen eine sehr spezielle
Abhängigkeit von bestimmten Futterpflanzen haben (man spricht von monolektisch oder oligolektisch,
je nachdem ob nur eine oder nur wenige Pflanzen als Pollenquelle infrage kommen).


Für das Graben von Nisthöhlen in der Erde kommen besonders Sand- und Lössböden in Betracht.
Solche Lebensräume werden selten - die Flugsande des Oberrheins zum Beispiel sind bis auf wenige
Reste zerstört. Auch muß zur Flugzeit ein ausreichendes Angebot an Futterpflanzen vorhanden sein -
in unserer ausgeräumten Landschaft mit großer Mähwut ist das immer weniger
gegeben.  Daher verwundert es nicht, dass ein recht hoher Anteil der
heimischen Wildbienen und Grabwespen auf den Roten Listen der bedrohten Arten geführt wird.



GOLDWESPEN - C H R Y S I D I D A E 

Bienenwolf-Goldwespe


Sand-Goldwespe

BIENEN - A P I D A E

Von den 460 in Baden-Württemberg gelisteten Wildbienen-Arten gelten 21 als ausgestorben oder verschollen.
221 Arten werden in der Roten Liste als mehr oder weniger gefährdet bzw. potentiell gefährdet angesehen.
Bei 52 Arten ist die Datenlage defizitär. Und nur 164 Arten (oder 35,7 %) gelten als ungefährdet.


Die artenreichsten Gattungen sind Andrena (Sandbienen) mit 96, Lasioglossum (Schmalbienen) mit 60 und Osmia (Mauer-, Löcher- und Scherenbienen) mit 41 Arten.


Anthidium nanum


Hylaeus
                  variegatus


Sechsbindige
                  Furchenbiene


Gelbbindige
                  Furchenbiene


Halictus subauratus



Andrena florea


Macropis europaea

Osmia adunca

Sand-Steppenbiene


Efeu-Seidenbiene


Weißfleckige Wespenbiene

Braunbürstige Hosenbiene

 
Lasioglossum calceatum


Ceratina
                  cucurbitina


GRABWESPEN - S P H E C I F O R M E S

In Baden-Württemberg werden in der Roten Liste 225 Arten von Grabwespen aufgeführt. Auch diese Gruppe der Stechimmen ist sehr artenreich.
Darüber hinaus sind gerade die Grabwespen mit ihrer Lebensweise faszinierend und hoch-interessant. 14 Arten gelten als ausgestorben.
122 Arten, also mehr als die Hälfte, sind entweder gefährdet, es ist eine Gefährdung anzunehmen oder werden auf
der Vorwarnliste geführt. 89 Arten (oder 39,5 %) gelten als ungefährdet.
Die Situation ist also ähnlich ernst wie bei den Wildbienen.


Große Kreiselwespe


Bienenwolf


Bienenjagende Knotenwespe


Sand-Knotenwespe


Heuschrecken-Sandwespe


Dinetus
                  pictus


Oxybelus
                  argentatus


Gemeine
                  Sandwespe


WEGWESPEN - P O M P I L I D A E
Wegwespen (Pompilidae) sind eine Gattung innerhalb der Hautflügler, deren genaue systematische Einordnung noch nicht ganz geklärt ist.
Die Larven der Wegwespen ernähren sich als Parasitoide von Spinnen. Erwachsene Tiere hingegen ernähren sich von Pollen.
Die Weibchen laufen am Boden umher auf der Suche nach den Beutetieren für den Nachwuchs.      


Pompilus
                  cinereus


Frühlings-Wegwespe

Rotbeinige Wegwespe


Kuckucks-Wegwespe

In der  Monografie über die Dünen in Sandhausen von 1994 sind die damals noch vorkommenden sowie auch die ausgestorbenen/verschollenen Arten
der Stechimmen ausführlich gelistet.
Schon durch unsystematische und teilweise zufällige Beobachtungen ergeben sich gegenüber dieser Artenliste Unterschiede, die an dieser Stelle kurz erläutert werden sollen:

Sphex funerarius galt 1994 als verschollen, letzte Meldungen von 1965 für Sandhausen, und vor 1900 für den Mainzer Sand.
Diese Art wurde 2016 sehr häufig beobachtet, auf allen Teilgebieten der Sandhausener Dünen, darüber hinaus im NSG Zugmantel Bandholz, in der Schwetzinger
Hardt, im NSG Glockenbuckel, in der Viernheimer Heide, im NSG Hirschacker-Dossenwald. Von anderen Beobachtern liegen Meldungen von der Griesheimer Düne
und dem Mainzer Sand vor. Die Art könnte vom Klimawandel profitieren und sich daher im Moment sehr erfolgreich ausbreiten.

Colletes hederae, die Efeu-Seidenbiene, wurde 1994 nicht gelistet, diese Art wurde allerdings erst 1993 als eigene Art von Schmidt und Westrich beschrieben. Zuvor
wurde sie wohl häufig mit der ähnlichen Art Colletes succinctus (Heidekraut-Seidenbiene) verwechselt (welche 1994 zumindest für die Pflege Schönau gelistet ist).
Auch diese Art dürfte sich momentan in Ausbreitung nach Norden befinden.

Anthidium nanum (= A. scapulare), die Zwerg-Wollbiene, konnte 2016 für die Pflege Schönau nachgewiesen werden.

Ceratina cucurbitina, die Schwarzglänzende Keulhornbiene, konnte 2016 für die Pflege Schönau nachgewiesen werden.

Nomada alboguttata wurde bereits 2012 im Gebiet Pferdstrieb Süd beobachtet.

Osmia adunca, die Glänzende Natternkopf-Mauerbiene, konnte auf dem Pferdstrieb Süd, auf der Pflege Schönau, aber auch im eigenen Garten des Verfassers beobachtet werden.

Für das NSG Zugmantel Bandholz gibt es einen Nachweis aus dem Jahr 2016 für Osmia bicolor (Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene). Auf einem Sandrasen-Gebiet im Zugmantel-Bandholz konnte diese Biene beim Tarnen des Schneckenhauses mit Kiefernnadeln eindeutig bestimmt werden. - Die Art ist für die anderen Gebiete in Sandhausen bisher nicht gemeldet.

Die Blaue Holzwespe (Xylocopa violacea) konnte 2016 auf der Pflege Schönau nachgewiesen werden.

2017 wurde der Stahlblaue Grillenjäger Isodontia mexicana auf der Pflege Schönau, auf dem Pferdstrieb Nord und Süd gesichtet, darüber hinaus auch in der Schwetzinger Hardt. Diese Art stammt aus Nordamerika, und verbreitet sich seit den 1960er Jahren in Europa.

Die Goldglänzende Furchenbiene (Halictus subauratus) konnte Anfang August auf der Pflege Schönau nachgewiesen werden.

Die Gelbbinden-Furchenbiene (Halcitus scabiosae) wurde auf dem Pferdstrieb Nord und in der Nähe der Pflege Schönau beim Blütenbesuch beobachtet.

Im NSG Zugmantel Bandholz fliegt die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea), die auf Gilbweiderich Pollen sammelt.

Literatur:


Kunz, Peter X. Die Goldwespen Baden-Württembergs. Beih.Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. Karlsruhe, 1994

Scheuch, Erwin; Willner, Wolfgang. Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas. Quelle & Meyer, Wiebelsheim, 2016
Westrich, Paul. Wildbienen - Die anderen Bienen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 3.Auflage 2014
Amiet, Felix; Krebs, Albert. Bienen Mitteleuropas. Haupt, Bern, Stuttgart, Wien, 2012

Blösch, Manfred. Grabwespen, Westarp, Hohenwarsleben, 2012
Jacobs, Hans-Joachim. Die Grabwespen Deutschlands. Bestimmungsschlüssel. Die Tierwelt Deutschlands, 79. Goecke & Evers, Keltern, 2007
Blösch, Manfred. Die Grabwespen Deutschlands. Lebensweise, Verhalten, Verbreitung. Die Tierwelt Deutschlands, 71. Goecke & Evers, 2000


Bestimmungshilfe: Team Wildbienen, www.wildbienen.de

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